Die Zahl der ASP-Fälle bei Wildschweinen in Europa ist weiter rückläufig. Gleichzeitig sorgen neue Nachweise in Finnland und Brandenburg für Aufmerksamkeit. In Italien bleibt das Geschehen auf den bereits betroffenen Norden begrenzt.

Text: J&N
Quelle: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen
Die Zahl der gemeldeten Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen in Europa ist im Juli weiter zurückgegangen. Dies teilt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen im aktuellenj Radar Bulletin. Die Entwicklung entspricht dem saisonalen Verlauf, wie er auch in den Vorjahren beobachtet wurde. Gleichzeitig ist mit Nachmeldungen zu rechnen.
Die meisten Fälle wurden aus Polen mit 151 Nachweisen gemeldet, gefolgt von Italien mit 121, Ungarn mit 74 und Lettland mit 57 Fällen. In Deutschland halbierte sich die Zahl der Nachweise gegenüber dem Vormonat von 74 auf 35 Fälle. Die meisten davon entfielen erneut auf Nordrhein-Westfalen, wo 21 Fälle festgestellt wurden.
Besondere Aufmerksamkeit gilt Brandenburg. Dort wurden erstmals seit Mai 2025 wieder ASP-Fälle bei Wildschweinen gemeldet. Die zehn Fälle stammen aus dem Landkreis Uckermark und wurden bereits im Mai 2025 aus der unmittelbaren Umgebung der Oder, wenige Kilometer südlich von Schwedt und nahe der polnischen Grenze, gemeldet. Nach Angaben des Radar Bulletins liegen die Fälle grösstenteils bereits westlich der ersten permanenten Zäune an der Oder, jedoch noch vor der letzten westlichsten Zaunlinie. Aufgrund der Nähe zu den Nachweisen im angrenzenden Polen könnten die Fälle auf einen dort bestehenden Infektionsdruck zurückgehen.
Auch in Sachsen wurden weiterhin ASP-Nachweise festgestellt. Dort waren im April 2026 nach mehr als einem Jahr erstmals wieder Fälle aufgetreten.
Erstmals ASP in Finnland
Eine neue Entwicklung gibt es in Finnland. Dort wurde die ASP erstmals nachgewiesen. Nur rund zwei Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt wurden die Kadaver eines Frischlings sowie Langknochen von zwei Wildschweinen positiv auf das Virus getestet. Die finnischen Behörden gehen möglicherweise von einem Infektionsdruck aus Russland aus. Aus Russland werden seit 2025 allerdings keine Meldungen mehr an WAHIS übermittelt. In den russischen Grenzregionen Leningrad, Karelien und Murmansk seien seit 2009 wiederholt ASP-Fälle dokumentiert worden.
Damit zeigt sich auch in diesem Berichtszeitraum ein räumlich unterschiedliches Seuchengeschehen. Während die Fallzahlen in mehreren Ländern zurückgehen, treten gleichzeitig neue Nachweise in bisher nicht betroffenen Gebieten auf.
Italien bleibt auf den Norden begrenzt
In Italien sind die Fallzahlen ebenfalls wieder etwas gesunken. Das Geschehen bleibt nach Angaben des Radar Bulletins auf das bereits betroffene nördliche Cluster begrenzt. Die 121 Fälle verteilten sich auf die Toskana mit 49 Nachweisen, die Emilia-Romagna mit 44, Ligurien mit 25, das Piemont mit zwei und die Lombardei mit einem Fall.
Für die Schweiz ist dabei relevant, dass sich sämtliche gemeldeten Fälle in Italien mindestens 100 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt befanden.
Aufmerksamkeit bei der Jagd
Für die Schweizer Jagd bleibt die Beobachtung des Seuchengeschehens wichtig. Tot aufgefundene Wildschweine sowie Abschüsse von kranken Tieren und Unfallwild werden deshalb schweizweit im Rahmen des nationalen Früherkennungsprogramms ASP Wildschwein untersucht. Im Berichtszeitraum wurden 13 Wildschweine mit negativem Ergebnis untersucht.
Das Radar Bulletin hält fest, dass für die Schweiz das Risiko einer Einschleppung der ASP durch menschliche Aktivitäten hoch sei. Für Jägerinnen und Jäger bleibt deshalb insbesondere nach Jagdreisen in betroffene Gebiete die sorgfältige Reinigung und Desinfektion von Schuhwerk, Kleidung, Gerätschaften und Fahrzeugen wichtig.
Die aktuelle Entwicklung zeigt vor allem eines: Der insgesamt rückläufige Trend bei den ASP-Fällen bedeutet nicht, dass das Seuchengeschehen zur Ruhe gekommen ist. Neue Nachweise in Finnland und Brandenburg sowie die weiterhin vorhandenen Fälle in mehreren europäischen Ländern zeigen, dass die ASP in Europa weiterhin aufmerksam beobachtet werden muss.
14.08.2026