Trockenheit fordert die Aargauer Jagd

Die anhaltende Trockenheit im Aargau wirkt sich auch auf das Jagdwesen aus. Wegen der hohen Brandgefahr mussten Schiesstermine abgesagt werden. Gleichzeitig beschäftigt die Jägerschaft die Frage, wie dürrebedingte Ernteausfälle bei der Wildschadenschätzung berücksichtigt werden.

Ein gesundes Maisfeld – in der Schweiz war dieser Anblick in diesem von Trockenheit geprägten Jahr vielerorts kaum zu finden. Symbolbild: pexels.com

Text: J&N
Quelle: Aargauischer Jagdschutzverein (AJV)

Die extreme Trockenheit und die damit verbundene Brandgefahr haben Konsequenzen für den Schiessbetrieb. Auf dem Schiessstand der Jagdschützen Suhr gilt ein generelles Schiessverbot. Sämtliche Trainingstage für die Prüflinge seien der Trockenheit zum Opfer gefallen, schreibt der Aargauische Jagdschutzverein (AJV) in einer Mitteilung.

Nach intensiver Absprache zwischen der Jagdprüfungskommission (JPK), der Jagdverwaltung, dem Kantonsoberförster und den Jagdschützen habe JPK-Präsident Urs Wunderlin die praktische Jagdprüfung abgesagt. «Ohne Trainingsmöglichkeit wäre eine faire Durchführung unmöglich», heisst es in der Mitteilung.

Um den Kandidatinnen und Kandidaten gerechte Chancen zu sichern, wurde Freitag, 9. April 2027, als zusätzlicher Prüfungstag festgelegt. Auch das traditionelle Jagdaufseherschiessen fällt ersatzlos aus.

Diskussion um dürrebedingte Ernteschäden

Die Trockenheit sorgt nicht nur beim Schiessbetrieb für Einschränkungen. Bei der Geschäftsstelle und beim Präsidium des AJV häuften sich laut Mitteilung Anrufe verunsicherter Jägerinnen und Jäger. Im Zentrum steht die Entschädigung von Wildschäden auf dürregeschädigten Maisflächen.

Aus Sicht der Jägerschaft sei schwer nachvollziehbar, weshalb für dürrebedingt verkümmerte Maiskolben Höchstpreise als Wildschaden bezahlt werden sollten. Der AJV beschreibt die Situation so: «Wenn Futtermais durch die Trockenheit mickrig gewachsen ist und kaum Nährwert bietet, ist es für die Jäger schwierig nachzuvollziehen, warum für Dürre-Kolben Höchstpreise als Wildschaden bezahlt werden sollen – zusätzlich zum regulären Pachtzins.»

Der Bauernverband Aargau (BVA) erläutert in der Mitteilung die Grundlage der Schadensschätzungen. Diese erfolgten retrospektiv nach dem Schätzungsreglement des Schweizer Bauernverbands. «Dabei fliesst der vor Ort zu erwartende Ertrag über Kategorien (tief, mittel, hoch) direkt in die Bewertung ein», erklärt die Geschäftsstelle des BVA.

Die gestiegenen Marktpreise für Mais aufgrund der Knappheit würden erst im Folgejahr in die Richtwerte einfliessen. «Der BVA hebt hervor, dass den Landwirten durch die Futterknappheit erhebliche Zusatz- und Transportkosten bei der Wiederbeschaffung entstehen, die in der Schätzung unberücksichtigt bleiben», heisst es weiter in der Mitteilung des AJV. Aus Sicht des Bauernverbands habe sich das bestehende System bewährt. Entscheidend sei eine sachliche Durchführung mit Augenmass.

Jägerschaft übernimmt Aufgaben

Trotz der schwierigen Bedingungen leisteten die Jägerinnen und Jäger im Kanton ihren Beitrag, schreibt der AJV. Der Verzicht auf den Schiessbetrieb in Suhr diene dem Waldbrandschutz. Bei der vorgezogenen Mahd vertrockneter Wiesen seien zudem Drohnen eingesetzt worden, um Rehkitze vor dem Mähtod zu bewahren.

Auch bei der Schadensprävention an den Kulturflächen bleibe die Jägerschaft aktiv. Die Revierpächter hielten den Jagddruck auf Schwarzwild und Dachs an gefährdeten Feldrändern aufrecht, um verbleibende Erntebestände vor zusätzlichen Schäden zu schützen.

Gleichzeitig gehe es darum, das Wild während der anhaltenden Dürre möglichst wenig zu beunruhigen. «Bei anhaltender Dürre vermeiden Jäger unnötige Beunruhigungen in den Einständen, um den ohnehin geschwächten Wildtierbeständen zusätzliche Belastungen zu ersparen», heisst es in der Mitteilung.

Augenmass auf beiden Seiten

Der Bauernverband betone, dass die Schadensschätzung über die Kategorien tief, mittel und hoch einen gewissen Handlungsspielraum biete. Der AJV ruft deshalb zu einem sachlichen Austausch zwischen den Beteiligten auf. «Statt am Telefon Frust abzulassen, hilft jetzt der direkte, sachliche Dialog auf dem Feld – zwischen Pächtern, Landwirten und kantonalen Abschätzern», schreiben die Verantwortlichen. Weder Landwirte noch Jäger seien für die extreme Trockenheit verantwortlich.

Ein fairer Umgang mit den unterschiedlichen Interessen soll laut Mitteilung die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Jagd auch unter den aussergewöhnlichen Bedingungen dieses Jahres ermöglichen.

25.08.2026

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