Weiterer Luchs aus dem Wildnispark Zürich in Thüringen ausgewildert

Das Luchsweibchen «Wangari», das 2025 im Wildnispark Zürich geboren wurde, ist im Thüringer Wald ausgewildert worden. Es ist bereits der vierte im Wildnispark Zürich geborene Luchs, der im Rahmen eines deutschen Wiederansiedlungsprojekts in die freie Natur entlassen wurde.

Das Luchsweibchen «Wangari» wurde im Wildnispark Zürich geboren. Nun wurde das Tier im Thüringer Wald (D) ausgewildert. Hier verlässt die Luchsin das Angewöhnungsgehege am Auswilderungsort. Bild: Max Kersberger / Luchs Thüringen

Text: J&N
Quelle: Wildnispark Zürich

Im deutschen Bundesland Thüringen läuft seit 2024 ein Wiederansiedlungsprojekt für Luchse. Am Donnerstagmorgen wurde «Wangari» aus dem Wildnispark Zürich gemeinsam mit «Lana», einem Weibchen aus Belgien, ausgewildert. Damit steigt die Zahl der bisher im Thüringer Wald freigelassenen Luchse auf neun, heisst es in einer Mitteilung des Wildnisparks Zürich.

Die beiden Tiere wurden über ein eigens errichtetes Auswilderungsgehege in die freie Natur entlassen. Dort konnten sie sich während einiger Wochen in getrennten Bereichen an die Umgebung gewöhnen. Anschliessend öffnete der deutsche Umweltminister Carsten Schneider die Türen der Gehege.

«Von hier aus werden sich Wangari und Lana selbst ein Revier suchen müssen», erklärt Max Boxleitner vom WWF Deutschland, der das Projekt «Luchs Thüringen» mitbetreut.

Populationen sollen verbunden werden

Der Luchs wurde im 19. Jahrhundert in weiten Teilen West- und Mitteleuropas ausgerottet. Durch Wiederansiedlungsprojekte konnte sich die grösste Katze Europas in einigen Regionen wieder etablieren. Langfristig sei ihr Fortbestand jedoch nicht gesichert, schreibt der Wildnispark Zürich.

Die einzelnen Luchspopulationen seien zu klein und geografisch voneinander isoliert. Dadurch bestehe die Gefahr eines Verlusts an genetischer Vielfalt, wodurch die Tiere anfälliger für Krankheiten würden.

In Deutschland ist der Luchs weiterhin vom Aussterben bedroht. Deshalb laufen derzeit in Thüringen, Baden-Württemberg, Sachsen und im Pfälzer Wald Auswilderungsprojekte. Im Thüringer Wald soll die Wiederansiedlung zwei bislang isolierte Populationen miteinander verbinden: jene im Harz und jene im Bayerischen Wald. Bis 2027 sollen dort bis zu 20 Luchse ausgewildert werden.

Folgt «Wangari» auf «Vreni»?

Ob sich «Wangari» in der Nähe eines weiteren Luchses aus dem Wildnispark Zürich niederlassen wird, bleibt offen. Luchsweibchen teilen ihr Revier nicht mit anderen Weibchen, sondern siedeln sich nebeneinander an. Die Reviere von Männchen überschneiden sich dagegen in der Regel mit den Territorien von ein bis drei Weibchen. «Nun müssen wir abwarten, wo sich Wangari niederlässt und in Nachbarschaft zu welchen Luchsen», sagt Boxleitner laut Mitteilung.

Zu den bereits im Thüringer Wald ausgewilderten Weibchen gehört auch «Vreni». Sie wurde 2023 im Wildnispark Zürich geboren und sorgte vor einigen Wochen für Aufmerksamkeit, nachdem sie monatelang verschollen gewesen war. Auf Fotofallenbildern tauchte sie schliesslich mit einem Jungtier auf, das im vergangenen Jahr geboren wurde. Ob «Vreni» auch in diesem Jahr Nachwuchs bekommen hat, ist noch nicht bekannt. «Da sie in der Ranzzeit mit Kuder Ionel unterwegs war, hoffen wir auf weiteren Nachwuchs», erklärt Max Boxleitner.

Vorbereitung auf ein Leben in freier Wildbahn

«Wangari» ist der vierte im Wildnispark Zürich geborene Luchs, der in Deutschland ausgewildert werden konnte. Die Luchsanlage des Wildnisparks gehört laut Mitteilung zu den wenigen Anlagen in Europa, in denen junge Luchse auf ein selbstständiges Leben in freier Wildbahn vorbereitet werden können.

Die Tiere werden mit möglichst wenig Menschenkontakt aufgezogen. Als Nahrung erhalten sie ausschliesslich Futtertiere, die auch in der Wildnis vorkommen, darunter Rehe und Hirsche. Diese werden mit Haut und Haar verfüttert. Die Stiftung Wildnispark Zürich kann die dafür geltenden Vorgaben dank Spenden erfüllen. Dazu zählen eine sorgfältige Auswahl des Futters, die Fütterung über spezielle Futterautomaten sowie eine naturnahe Bepflanzung der grossen Anlage, die den Luchsen ausreichend Deckung bietet.

14.08.2026

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